Bericht zur Ausstellungseröffnung

Rund einhundertfünfzig Menschen folgten am Montagabend (8. Januar 2024) in der Forumskirche St. Peter einer Ausstellungseröffnung. „Frauen geben Frieden ein Gesicht“ heißt diese Ausstellung. Sie stellt zwanzig Frauen mit ihren Lebensgeschichten vor. Die Frauen stammen aus unterschiedlichen Teilen des Landes Bosnien und Herzegowina, in dem von 1992 bis 1995 ein blutiger Bürgerkrieg tobte.

Oldenburg hat eine besondere Beziehung zu den Frauen in Bosnien-Herzegowina“ sagte Klaus Hagedorn von pax christi bei der Begrüßung der Gäste. Damals nach Ausbruch dieses Krieges habe eine Oldenburger Initiative in Kooperation mit der Stadt 29 Geflüchtete, vor allem Frauen und Kinder, aus Bosnien-Herzegowina aufgenommen und ihren Aufenthalt vier Jahre finanziert und begleitet.

Viele der portraitierten Frauen in der Ausstellung waren bei Kriegsbeginn berufstätig, einige hatten Kinder oder waren selbst noch Kinder. Sie sind in muslimischen, serbisch-orthodoxen oder katholischen Familie aufgewachsen, auf dem Dorf oder in der Stadt. Eine lernte als Grundschulkind das Lesen und Schreiben in einem Keller, wohin sie mit ihren Eltern vor den Bomben geflüchtet war. Sie alle haben Schreckliches erlebt, viele verloren Familienmitglieder, wurden vergewaltigt, erlitten dauerhafte gesundheitliche Schäden an Leib und Seele, flohen – manche nach Deutschland, wurden vertrieben oder in Lagern interniert.

Die Gesellschaft in dem Land tut sich schwer mit der Aufarbeitung dieser Vergangenheit. Insbesondere nationalistische Kräfte hofieren nach wie vor auch die in Den Haag verurteilten Kriegsverbrecher“, sagte Boris Mijatovic, Bundestagsabgeordneter aus Kassel, als stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Südosteuropäischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages ein profunder Kenner der Situation in Bosnien-Herzegowina.

Kein Frieden ohne Versöhnung

Bürgermeisterin Nicole Piechotta hob in ihrem Grußwort hervor, dass die Frauen der Ausstellung, „die im Krieg besonders schwer gelitten haben, sich nicht haben unterkriegen lassen, sondern solidarisch für einen friedlichen Aufbau der Nachkriegsgesellschaft eintreten. Sie überwinden die gesellschaftlichen Grenzen und ändern die Erzählung des Krieges.“

Dragana Petric, eine der Ausstellungsmacherinnen, aus Bijeljina in Bosnien-Herzegowina zur Eröffnung angereist, erzählte den Hintergrund der Ausstellung. Die Frauen wollten an die Grausamkeiten erinnern, die sie während des Krieges erleben mussten. Nichts solle vergessen werden! Sie wollten jedoch vor allem zeigen, dass Frieden nur durch das gemeinsame Aufarbeiten des Geschehenen möglich ist. Allein darüber könne Versöhnung wirksam werden. „Die Frauen haben ihr Herz nach außen gewendet. Sie haben ihre Geschichte öffentlich gemacht. Sie unterstützen bis heute unzählige Frauen darin, nach dem Krieg neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln.“

Eine andere Geschichte des Krieges

Das Ökumenischen Zentrum Oldenburg hatte die Initiative ergriffen, die Ausstellung in Oldenburg zu zeigen. Die Vorsitzende Beate Ludwig-Henkel führte bei der Begrüßung der Gäste aus: „Die Frauen werden zum Vorbild, weil sie Verantwortung übernehmen und Ansätze dafür schaffen, dass Versöhnung stattfinden kann. Für mich sendet die Ausstellung eine klare Botschaft: Politische Konflikte dürfen nicht durch Krieg gelöst werden.“ Siebzehn Oldenburger Organisationen tragen die Ausstellung, die zudem am Oldenburger Ausstellungsort von Brot für die Welt und die Landessparkasse zu Oldenburg finanziell gefördert wird.

Dragana Petric schloß ihren Vortrag mit Worten von Srđan Puhalo: „Diese Ausstellung und diese Frauen zeigen, dass es Menschen gibt, die sich nicht mit Ungerechtigkeiten abfinden und dass es Werte gibt, die über Nationen, Staaten und Rechte hinausgehen, für die es sich zu kämpfen lohnt.“

Für den musikalischen Rahmen der Ausstellungseröffnung sorgte der Chor der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg und das Ohmsteder Vokalensemble unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser.